Das Gaia-Projekt hat über mehrere Jahre Milliarden von Sternen in unserer Milchstraße kartiert. Aus diesen Daten wurde nun eine Ansicht unserer Milchstraße von Außen erzeugt.
Es ist etwas anderes, auf dieses Bild der Milchstraße zu schauen oder in die Ferne zu anderen Galaxien zu schauen.
Schauen wir in die Ferne, dann haben wir immer noch uns als Mittelpunkt, als Zentrum des Universums, von dem wir ausgehen und von dem wir schauen. Wir sitzen in unserem gewohnten Ort, der unser gewohnter Mittelpunkt der Welt, ja unsere Welt als ganzer ist.
Werfen wir aber einen Blick von außen auf unsere eigene Milchstraße, auf den eigentlichen Ort, an dem wir selber existieren, werfen wir so einen Blick auf uns selbst, dann verändert sich die Perspektive und die Dimension vollkommen.
Mit diesem Blick auf unsere eigene Milchstraße erkennen wir, was wirklich der Zusammenhang unseres Lebens ist.
Es sind nicht die Sandalen, die wir diesen Sommer tragen wollen, es ist nicht die Frage, ob die Rente reicht, es ist nicht die Frage, ob der Nachbar uns mag oder nicht, es ist nicht die Frage welchen Haarschnitt ich mir zulege.
Es ist die Frage, welch ein mikroskopisch subatomar kleines Teilchen in diesem gewaltigen Zusammenhang dieser Galaxie ich bin. Und wie ich dem gerecht werde mit meiner Existenz.
Ich sehe mich selbst und kann nicht mehr verleugnen, dass ich ein unbedeutend kleiner physikalischer Teil eines gewaltigen Systems bin. Ich kann nicht verleugnen, dass ich natürlich von diesem gewaltigen System geprägt, geschaffen und auch beeinflusst bin.
Ich kann nicht mehr davon ausgehen, dass ich das Zentrum einer Welt bin und unabhängig und ein Individuum, dessen Angst und Liebe, dessen Freude und Leid bedeutender sind als der gesamte Kosmos.
Und vor allem ich kann nicht mehr sagen, „ich bin allein“. Ich kann mit Blick auf diese Milchstraße sagen: „Ich bin eins mit dem, was dort geschieht, auch wenn ich es in meinem psychologischen Prozess nicht so erfahre. Das ist meine Existenz. Und was dort geschieht, ist ich. Ist, was mir geschieht.“
Ich kann nun auf dieses Bild schauen und sagen, das bin ich, das ist mein Umfeld, das ist der Ort, an dem ich lebe. Nicht mein klein klein, mein kleines Sofa, auf dem ich sitze und mir meine wichtigen Gedanken mache.
Schaue ich auf dieses Bild, dann weiß ich dass es nur Hingabe an den Lebensprozess gibt. Und dass ich physikalisch immer gebunden sein werde an diese gewaltigen Geschehnisse in diesem Kosmos.
Dann weiß ich, dass nur in der Überwindung der Materialität, in der Erkenntnis des Nichtmateriellen, wirkliche Freiheit liegen kann. Nicht in dem was ich hier materiell schaffe oder erreiche auf diesem subatomar kleinen Flecken, was nur eine Spielart des gewaltigen Kreisens der Galaxie, ja des ganzen Kosmos ist.
Dass dies alles keine Bedeutung hat, die über das physikalische Mahlwerk dieser Galaxie, dieses Kosmos hinaus geht.
Gehe ich darüber hinaus, in den nicht physikalischen, in den immateriellen Bereich, dann ist der ganze Kosmos meins. Losgelöst bin ich vom Kreisen der Materie, frei bin ich von Zeit und Raum. Ich erkenne die Wahrheit meiner Existenz jenseits des Physikalischen Automatismus, den ich ich und mein Leben nenne.
Aber diesen Blick muss ich erst einmal erreichen und mich unabhängig machen von der Frage ob ich mal ein Elektroauto kaufe und ob das ökologisch sinnvoll ist oder nicht oder so…
