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Die Erkenntnisfähigkeit

Der Verstand, die Erkenntnis, ist der Grund für unsere Vertreibung aus dem Paradies. Es heißt, da wir nun urteilen können, könnten wir wählen zwischen Gut und Böse. Wir können aber nicht wählen. Oder besser: Das, was wir wählen können, ist nicht von wirklicher Bedeutung. Wählen ist ein willentlicher Akt, der über den Verstand und mit dessen Mitteln ausgeführt wird. Er beinhaltet Abwägung, Beurteilung, Einordnung. Auf diese Art bleiben wir stets bei den Dingen hängen, weil es mehr als die Dinge nicht zu beurteilen gibt und weil es nicht möglich ist, etwas anderes als Dinge bzw. materielle Phänomene zu beurteilen. Urteilen bedeutet trennen. Wir kommen so über das Phänomen des „Guten“ und des „Bösen“ in der materiellen Existenz nicht hinaus. So vernachlässigen wir in dieser Konzentration auf das Diesseitige unsere jenseitigen Aspekte. Nähmen wir statt unseres Verstandes unsere Seele zu Rate, dann kämen wir nicht zu einer Entscheidung – einer Wahl – zwischen „Gut“ und „Böse“, sondern wir kämen zur Erkenntnis des Sinns und der Wahrheit. Der Sinn und die Wahrheit existieren unabhängig der materiellen Vorstellungen von „Gut“ und „Böse“. Unabhängig von einem durch menschliche Erfahrung und kulturelle Beeinflussung entstandenem Urteil über „Gut“ und „Böse“. So hat es schon seinen Grund, dass Adam und Eva wegen der Erlangung der Erkenntnis-(Urteils-)fähigkeit aus dem Paradies verbannt worden sind. Die Urteilsfähigkeit (oder der Zwang, alles beurteilen zu müssen) gaukelt uns vor, sie stünde über Gut und Böse und könne diese trennen. In Wahrheit ist die Urteilsfähigkeit selbst ein Teil von Gut und Böse. Ein Teil der diesseitigen Phänomene. Von ihr werden Phänomene wie Gut und Böse erst durch Trennung erschaffen und so hindert sie uns daran den Sinn und die Wahrheit auf seelischer, jenseitiger Ebene zu erlangen. Alle wissen, dass wir wegen der Erlangung unserer Urteilsfähigkeit – unserer Fähigkeit zu trennen – das Paradies verloren haben, aber dessen ungeachtet wird in unserer Gesellschaft diese „Fähigkeit“ (man kann es auch Behinderung nennen) hoch gehalten, wie der heilige Gral. Unsere Fähigkeit bzw. unser Zwang, die Welt in Dinge und Raum und Zeit zu trennen, wird als herausragendes und überlegenes Merkmal unserer Rasse angepriesen… Dabei haben wir die Wahrheit und den Sinn verloren und bilden uns großartig etwas ein auf das Schattenspiel von etwas, was der Verstand – mal so oder so, je nachdem wo und wie er gerade wirkt – als Urteilskraft über „Gut“ und „Böse“ etikettiert. Liest man die Geschichte von Adam und Eva, so müsste man doch alles versuchen, diese Erkenntnisfähigkeit wieder los zu werden um endlich wieder in das Paradies einziehen zu können… Aber das ist auch nur eine Erkenntnis und ein Urteil meinerseits. Die Wahrheit ist es somit nicht…

Niemals darf der Schmerz uns leiten. Unser Handeln erwächst aus dem angstlosen Wissen um unsere Geborgenheit im Sinn, um unsere Beseeltheit und um die ewige Einheit von allem. Wir handeln immer in Liebe zu allem und jedem. Es existiert keine innere Trennung. Niemals darf der Schmerz allein uns leiten.

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