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Der Verstand

Mir erscheint der Verstand oft wie ein, sagen wir einmal Aufzugsmonteur (nichts gegen Aufzugsmonteure! Ich kennen keinen und habe auch keine entsprechenden Vorurteile. Ich habe ihn nur beispielhaft als jemanden mit einem spezialisierten handwerklichen, technischen und analytischen Wissen gewählt), den man irgendwann einmal auf die führende Position eines Unternehmens namens „Mensch“ gerufen hat. Dieser Monteur hat sein bisheriges Leben nur den Firmenaufzug gewartet und hatte diesen Posten inne, weil er seinen persönlichen Fähigkeiten entsprach. Nun steht er am Ruder des schwankenden Unternehmensdampfers und weiß nichts von Financials, Marketing, PR, Sales, Controlling, Human Resources, Forschung und Entwicklung, vertikalen und horizontalen Unternehmensstrukturen und kann vielleicht noch nicht einmal das Cheftelefon mit den vielen Knöpfen bedienen. So sitzt er nun auf diesem Posten und führt das Unternehmen, ohne wirklich einen Überblick erlangen zu können, nach Maßgabe seiner Aufzugsmonteurvorstellungen. Und das Schlimme ist: Er weiß, das es so ist! Er weiß von seiner eigenen Begrenztheit bzgl. des Postens, den er inne hat! So sagt er: „Ich bin für niemanden zu sprechen! Es existiert nur das, was ich in meiner Vorstellungswelt begreife. Alles andere deklariere ich als Unsinn und nicht existent!“

So sitzt nun unser Verstand auf dem Managerposten und aus nicht begreiflichen Gründen sitzen seine Kollegen auch bei so gut wie allen anderen Menschen auf der gleichen Position und das nun auch schon seit Generationen. Und aus noch unbegreiflicheren Gründen nimmt die Huldigung dieser Fehlbesetzung immer weiter zu. → sie huldigen sich ja selbst. Der Verstand sagt: „Es gibt nur die fünf Sinne. Es gibt nur das, was die fünf Sinne wahrnehmen (und auch da filtere ich noch aus, was mir in die Vorstellungswelt passt). Es gibt nur die Dinge. Diese haben eine räumliche Ausdehnung und die Zeit geht von der Vergangenheit in die Zukunft. Wissen ist die Aufteilung von allen Dingen in immer, immer kleinere Stücke und deren Ansammlung. Jedes dieser Stücke bekommt einen Namen. Bevorzugt ein Fremdwort. Wissen erlangen heißt aufteilen und trennen. Jeder noch so kleine Unterschied muss erfasst werden, kategorisiert werden und in eine Schublade gesteckt werden. Auch ich bin ein Einzelwesen und räumlich begrenzt. Nach dem Tode gibt es nichts.“ Und alle huldigen diesem Aufteilungs- und Trennungswissen. „Wissen ist Macht!“, Die „Wissensgesellschaft“, die „Wissenschaften“, der „Wissensvorsprung“.

Nun ist es beim Verstand, dem Verwalter der dinglichen Welt, bzgl. Raum und Zeit wohl folgendermaßen:

Er sieht und hört und fühlt und schmeckt und riecht nur das, was in seinem engen Umkreis ist. Was hinter dem Berg ist sieht er schon nicht mehr. Was in der nächsten Sekunde geschieht, kann er nicht mit Sicherheit vorher sagen. Die Gegenwart ist ein Augenblick und was vergangen ist, da ist er sich auch schnell nicht mehr ganz so sicher, ob es denn wohl wirklich so war. Er kennt diesen Makel. Aber er kann davon nicht ablassen. Viel zu lange hat man ihm schon erzählt, wie unersetzbar und vollkommen er doch als menschlicher Verstand ist. Er glaubt das wohl gerne aber er weiß tief in sich drin, dass eine andere Stimme ihn in allem überflügelt. Diese Stimme kennt die Grenzen von Raum und Zeit nicht. Sie kann zu allen Zeiten an alle Orte schauen und das schlimmste für ihn ist: für sie ist „Ewigkeit“ und „Unendlichkeit“ klar wie ein Kristall. Sie wissen sicher, von welcher Stimme ich spreche: Es ist die unserer Seele.

Aus diesem Makel heraus sind mindestens drei Konsequenzen erwachsen: der Versuch, alles auf der Welt zu begreifen und zu besitzen; der Versuch es den seelischen Fähigkeiten gleich zu tun und in neuerer Zeit, der Versuch sich eine Welt zu schaffen, in der die Seele mit ihrer Wahrnehmung und Stimme keine Rolle mehr spielt.

In der ersten Konsequenz versucht der Verstand durch die Eroberung aller Lebens-“Räume“ und den Zwang etwas ihn überdauerndes zu schaffen auch eine Art Allgegenwärtigkeit zu erlangen. „Wenn mir der Weg durch Zeit und Raum schon nicht freistehen, so will ich doch zumindest immer („ewig“) und überall („unendlich“) gegenwärtig sein!“

Begreift er die Einheit schon nicht, so muss er doch alle, alle Dinge bis ins kleinste benennen. Wenn etwas einen Namen hat, dann kennt er es. Und fürchtet es nicht mehr so sehr.

In der Zweiten Konsequenz steht der Zwang zur Geschwindigkeit und die Erinnerungskultur in Verbindung mit dem Wahn, alles prognostisch und statistisch vorhersagen zu wollen. Was mit Reitpferden als Mittel zur Beschleunigung begann mündet nun zur Zeit in das Internet. In fast Echtzeit kann man nun an jedem Ort der Erde sein und sich per Webcam aus Castrop Rauxel den Tokyoter Hafen anschauen und zeitgleich mit jemandem in Panama City plaudern. Alle sind allen gegenwärtig. Jeder Verstand tut seine persönliche Meinung und Ansicht über Alles jedem und überall kund. So nah ist der Verstand nun auf seine prothesenhaft auf Glasfaser, Silizium und Kupfer basierende Methode der Raumüberwindung der Seelenkraft gekommen. Eine frankensteinhafte Imitation der Fähigkeiten der Seele. Dazu muss alles Vergangene dokumentiert und alles zukünftige prognostiziert werden um auch noch an die Ewigkeit gelangen zu können.

Die Dritte Konsequenz ist aktuell. Sie betrifft die Entwicklung der Computerspiele und der virtuellen Welten und Identitäten. Augmented nennt man diese Realität jetzt: erweitert! Dort fühlt der reine Verstand sich wohl: Eine nur von ihm geschaffene Welt, die ausschließlich nach seinen Vorgaben funktioniert und die ihm bis zum letzten Baustein bekannt ist. Ohne Seele, ohne den Makel seiner Unvollkommenheit, ohne das nagende Gefühl, eigentlich ein Fremder in der Ewigkeit und Unendlichkeit zu sein. Nun in einer Position mit allumfassender göttlicher Kraft….und endlich ohne Zweifel… aber doch so schal, doch so ohne wahren Sinn…

Die Stimme der Seele ist aus unklaren Gründen für uns nicht mehr deutlich wahrnehmbar oder überlagert. Damit dies so bleibt betreibt der Verstand eine Art „Seelen-Mobbing“. Eine ausgeklügelt Diffamierungskampagne. Wie das funktioniert kann man heutzutage in den Büros aller Welt sehen. Die Methoden, mit denen die Wahrnehmungen der Seele diskreditiert werden, werden auch eins zu eins bei unliebsamen Menschen angewendet. Es wird ignoriert, beleidigt, unterdrückt, in Unglauben gezogen, lächerlich gemacht, und gedroht. Unser Verstand in Bestform. Wo wir als Kinder noch belächelt wurden, wenn wir vom Besuch unserer tierischen und unsichtbaren Freunde erzählt haben (was nichts anderes war als eine ungetrübte Wahrnehmung über unseren Seelensinn von jenseitigen spirituellen Kräften. Ich kann mich an diese Wesen noch gut erinnern, die während des Einschlafens, in der Phase, in der die Seele sich in Schlaf löst, zu mir gekommen sind. Eines Tages kamen sie nicht mehr. Und ich habe mich lange gefragt, warum.) so wurden dann in späteren Jahren härtere Geschütze aufgefahren. Man solle nicht einen solchen Unsinn glauben. Man solle nicht herum phantasieren mit solcherlei Hirngespinsten. Man solle doch mal erwachsen werden! Man sei doch bald nicht mehr ernst zu nehmen. Ob man denn wohl noch richtig im Kopf sei!

Während in archaischen Kulturen das Erwachsenwerden eines Kindes oft dadurch vollzogen wird, dass es seine Beseeltheit und Einheit mit der Schöpfung erkennt und es seine spirituellen Freunde und Eltern kennenlernt, die ihm die Aufgabe in der Gesellschaft zuweisen, wird eben in unserer aufgeklärten westlichen Wissens-Gesellschaft die Seelenwahrnehmungen so lange diskreditiert, lächerlich gemacht, ausgegrenzt und zu Phantastereien (zur Glaubenssache) erklärt, bis dieser Sinn nicht mehr wahrgenommen wird und stattdessen einzig und allein der dingliche Lehrplan mit dinglichem Lernwissen eingang in unsere Wahrnehmung findet. Du bist ein Einzelwesen. Es gibt nur die Dinge! Erwachsenwerden heißt die Verneinung der Beseeltheit.

Von der wahnhaften Sinnfindung dieser Gesellschaft im Kaufen und Besitzen von sinnlosen Dingen und der oft freudlosen Verbringung seiner Lebenszeit zum Zweck des Erwerbs von Geld zum Kaufen und Besitzen von sinnlosen Dingen möchte ich gar nicht erst reden.

Niemals darf der Schmerz uns leiten. Unser Handeln erwächst aus dem angstlosen Wissen um unsere Geborgenheit im Sinn, um unsere Beseeltheit und um die ewige Einheit von allem. Wir handeln immer in Liebe zu allem und jedem. Es existiert keine innere Trennung. Niemals darf der Schmerz allein uns leiten.

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