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Das Leben geschieht uns

Das Leben geschieht uns. Es widerfährt uns. Oder besser: Es sollte uns widerfahren. Dies ist aber in der Regel nicht so. Dadurch, dass wir mit Hilfe unseres Verstandes versuchen, das Leben zu erweitern, zu beherrschen und zu formen, verlieren wir die Verbindung mit dem natürlichen Fluss des Seins, der uns – wenn wir ihn denn ließen oder lassen könnten – ganz von alleine und ohne unser Zutun durch unser Leben tragen würde. Schauen wir auf die nicht verstandes- „begabten“ Wesen um uns herum, dann sehen wir, dass sie nicht versuchen, das Leben zu erweitern. Sie nehmen das, was ihnen gegeben wird (und das ist alles, was sie benötigen), sie bestehen und – vergehen.

Nun werden einigen sagen: „Natürlich widerfährt mir mein Leben! Ich kann es nicht beherrschen! Und es ist nicht gut, was mir widerfährt. Es bringt mich in Depression und Verzweiflung. Wenn ich nicht handele, dann bekomme ich nichts von dem, was ich benötige.“ Es ist nicht der natürliche Fluss des Seins, der ihnen widerfährt. Es ist die vom Verstand vereinnahmte und nach seinen Ansichten und Vorstellungen verdrehte Welt, die diesen Menschen widerfährt und aufgezwungen wird. Dort ist nicht für sie gesorgt. Dort herrscht aufgrund der Behinderung des Verstandes, nur eine Seite der Welt sehen zu können, ungesundes Ungleichgewicht. Das macht es uns so schwer, zu vertrauen. Wir können einer Welt, die im Ungleichgewicht ist, nicht vertrauen. Einer Welt, die selber krank ist kann man es nicht zutrauen, dass sie für unser Wohl sorgt. Vertrauen können wir im Rückzug aus der Verstandeswelt (Soweit uns das möglich ist). Dann sehen wir den natürlichen Fluss, der immer noch die Grundlage für alles Sein ist. Die Verstandeswelt ist nur eine Art Schmierfilm, der auf seiner Oberfläche schwimmt. Zweidimensional und ohne Tiefe. Ohne festen eigenen Grund. Wir dürfen diesen Schmierbelag nicht als die wahre Welt ansehen. Die, die diese Welt als wahr ansehen, können nicht von ihr lassen. Sie kommen in die Natur und Ruhe und stellen als erstes ihr Radio an. Unbewusst ganz selig können sie nun wieder dem Geplapper von anderen Verständen lauschen; über Dinge, die sie nicht betreffen, von Menschen, die sie nicht kennen. Meinungen über Meinungen, die sie sich nicht selbst durch eigenes Erfahren gebildet haben, sondern die ihnen von anderen ach so schlauen Verständen über Radiosignale in ihr Gehirn gepflanzt werden. Ganz selig, nicht in Ruhe sein zu müssen und sich durch musikalische Geräuschentwicklung weiter betäuben zu können.

Ich wünschte mir dann manchmal, dass ich das Zwitschern der Vögel und das Rauschen des Waldes auch ein wenig lauter stellen könnte. Manchmal – wenn sie länger bleiben – wird das Radio dann eines Morgens einfach nicht mehr eingeschaltet. Aber dann müssen sie bald schon wieder zurück in die Verstandesmaschine und sagen dann Dinge wie: „ Ach, so 14 Tage reichen gar nicht, um sich richtig zu erholen.“ oder „Warum ist am Montag noch soviel von der Woche übrig?“ „Wenn ich in 23 Jahren in Rente gehe, Schatz, dann kaufen wir uns ein Häuschen im Grünen.“ Wäre die Welt nicht so eine Verstandeswelt, dann könnten wir unter den Schmierfilm tauchen und dann müssten wir das alles nicht sagen. Dann wären wir und würden nicht klagen, was wird oder was wir werden. Wir stünden in der Welt, die für uns sorgt. Und wir würden dem Fluss einfach folgen. Ohne wenn und aber.

Niemals darf der Schmerz uns leiten. Unser Handeln erwächst aus dem angstlosen Wissen um unsere Geborgenheit im Sinn, um unsere Beseeltheit und um die ewige Einheit von allem. Wir handeln immer in Liebe zu allem und jedem. Es existiert keine innere Trennung. Niemals darf der Schmerz allein uns leiten.

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