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Bewusstseinsströme

Unser „Sein“ wird durch unser Bewusstsein bestimmt. Es schwimmt im Meer der seelischen Kraft. Der Seelensinn schöpft aus diesem Meer. „Wir“ alle schöpfen darüber das Gleiche, das Eine. Auf dieser Ebene sind wir mit unserem seelischen Aspekt alle miteinander verbunden.

Die fünf Sinne des Verstandes schöpfen auch aus diesem Meer. Aber sie sehen nur einen mikroskopisch kleinen Ausschnitt. Jeder Verstand sieht etwas anderes. Alles erscheint für sie getrennt und vereinzelt. Sie erscheinen sich alle völlig isoliert. Sie halten sich alle für alleine. Über den Verstand erhält das Bewusstsein – erhalten „wir“ – einen Eindruck, der sich materielle Welt nennt.

Jedes Bewusstsein ist aber mit dem anderen verbunden. Diese Verbindung des Bewusstseins dient dem Verstand zum Austausch seiner Stimmungen und Befindlichkeiten. Zum Senden seiner Meinungen und seiner Abgrenzungen. Diese Verbindung überwindet zumindest den Raum, vielleicht sogar die Zeit. Der Verstand selbst glaubt aber, er könne sich nur materiell und in Gegenwart eines Anderen oder über technische Hilfsmittel austauschen, aber das ist nicht korrekt. Der Verstand kann über die immerwährende Verbindung der Bewusstseine seinen Einfluss von überall her und überall hin ausüben. Und er tut es auch. Unbewusst – in dem Sinne, dass es dem Verstand nicht auf Anhieb erfahrbar ist. So entstehen kollektive Hysterien oder plötzlich aufschwellende Wellen von Hass. So entstehen kollektive Begierden und Zu- oder Abneigungen. Aber auch die plötzlich auftauchenden Ängste oder Sorgen oder Begierden Einzelner entstehen auf diese Art der Einflussnahme.

Das Bewusstsein – unsere Wahrnehmung der Welt… Wir… – besteht aus dem Verhältnis von seelischer und materieller Wahrnehmung. Die seelische Wahrnehmung ruht und nimmt im Bewusstsein den Raum ein, der ihr zugestanden wird. Der Verstand handelt und dehnt sich so weit aus, wie er gelassen wird. Es liegt an „uns“, ihn in seinen Grenzen zu halten und so ein einseitige Wahrnehmung der Welt zu vermeiden.

Durch die Verbindung unserer Bewusstseine, die Bewusstseinsströme, stehen wir unter einem dauerhaften Einfluss von „externer“ Verstandestätigkeit. Nicht alles, was wir denken, meinen oder fühlen resultiert aus eigener Verstandestätigkeit. Es existiert also nicht nur eine Verbindung über die Einheit der Seele, sondern ebenso die Verbindung der Verstände über das Bewusstsein. Diese Verbindung wird ironischerweise vom Verstand selbst als nicht existent abgelehnt, da sie seiner Sicht von Trennung und individueller, rein materieller Existenz widerspricht.

Wir haben es in diesem Fall quasi mit einem Blinden zu tun, der wild mit seiner Angst-Wut-Lust-Gier-Hass-Trauer-Schrotflinte in der Gegend herumballert, in der festen Überzeugung, dass er ein Gewehr verwendet, dass keine Kugeln verschießt. Er trifft aber mit jedem Schuss. Die über die Bewusstseinsströme getroffenen Verstände ihrerseits hingegen spüren die Verwundungen. Depression, plötzlich aufkeimende unerklärliche Gefühlszustände, „irrationale“ Panikattacken sind die Folge. Aber die Menschen denken, dass sie sich diese Verwundungen selbst zugefügt hätten beziehungsweise, dass sie durch eine Situation, in die sie involviert sind, erzeugt worden sind. Ganz gemäß der Doktrin von Trennung und Individualität wird ein Einfluss von außerhalb der eigenen Reichweite und ohne materielle Ursache abgelehnt.

Da die Menschen heutzutage die ganze Zeit in irgendwelchen „Situationen“ mit anderen Menschen sind, fällt es ihnen leicht, eine scheinbare – für sie „naheliegende“ – Ursache für ihre Angst oder Wut oder Lust zu benennen. In neuester Zeit kann man eine veränderte Stimmung auch eben einmal auf die Nachrichten schieben, die man gerade auf dem Smartphone gelesen hat. Da braucht es für eine „rationale“ Erklärung eines leichten Panikgefühls gar keinen persönlichen Gegenüber mehr und alles lässt sich auf einen direkten Einfluss durch das geschriebene Wort oder das angezeigte Video zurückführen. Immaterielle Bewusstseinsverbindungen müssen nicht in Betracht gezogen werden, wenn man unter permanentem „erklärbarem“ Fremdverstandeseinfluss steht. Radio, Fernsehen, Internet und Smartphone haben ihren Zweck eben gerade darin, es Verständen zu ermöglichen, andere Verstände zu informieren oder besser: sie zu beeinflussen. Darum sind jene erfunden worden. Müsste der moderne und aufgeklärte Mensch eine Verbindung der Bewusstseine nicht aus dogmatischen Gründen ablehnen, dann bräuchte er diese Hilfsmittel der Meinungsübertragung nicht. Und er wäre den ballernden Blinden nicht hilflos ausgeliefert.

Die Menschen, die früher ohne diese „Nachrichten“-Techniken und in Ruhe lebten, wussten genau, wann sich ihnen ein anderer Verstand näherte. Sie wussten, was aus ihnen selbst heraus kam und was ihnen aufgesetzt wurde. Eine irrationale Sorge oder Wut oder nagende Angst konnte unbewusst von einem Verwandten, Nachbarn oder einer anderen nahestehenden und gerade daran leidenden Person übertragen werden – oder eben auch bewusst, um zu schaden oder jemanden für sich zu gewinnen oder jemanden von einem anderen zu trennen. Das war – und ist – die Hexerei.

Wer heute Angst bekommt und es nicht auf eine anwesende gewalttätige Person, eine drohende Situation, auf das Fernsehen, die Nachrichten oder sein Smartphone zurückführen kann, gilt als krank, da im materiellen Dogma diese Angst als unbegründet, als „irrational“ gilt. Aber es kann die Angst der Mutter sein oder die Angst des Nachbarn. Oder es kann die Angst der Gesellschaft im Allgemeinen sein, die diesen Menschen mit ihrer Schrotflinte niederstreckt. Es liegt an „uns“, an uns als Bewusstsein, diese Kanäle wieder wahrzunehmen und sie verantwortungsbewusst zu nutzen und kritisch das zu beobachten, was sich darüber uns nähern will. Es ist wichtig, dass die dogmatische Sicht des Verstandes wieder weniger Einfluss erlangt. Unser Bewusstsein darf nicht zulassen, dass der Verstand nur seine singulare und einsame Sicht von Angst und Wut verbreitet. Das Bewusstsein muss den Verstand emanzipieren und das vereinigte Seelen-Verstandes-Wissen über die Bewusstseinsströme sich verbreiten lassen. Der Verstand handelt und die Seele vereint: Handeln in Einheit. Nur gemeinsam kann das Paradies auf Erden wieder erschaffen werden.

Unser Bewusstsein als Mensch ist nicht das Einzige. Jedes Organ, jede Zelle, jedes Atom und darüber hinaus besitzt etwas wie „unser“ Bewusstsein. Sie alle besitzen etwas, das aus dem Zusammenspiel und dem Verhältnis von Materie und Seele besteht. Auch diese Bewusstseine sind mit allen anderen verbunden und Kraft fließt in unendlich vielen und unendlich feinen Strömen. Wir können unser Bewusstsein „bewusst“ nutzen, um dort heilenden Einfluss zu nehmen. Bewusst heilend zu wirken und nicht unbewusst mit der Schrotflinte Schmerz und Leid zu verursachen.

Jesus hat über diese Bewusstseinsströme das Leid der Menschen willentlich aufgenommen und getragen. Durch seinen Tod hat er dieses Leid transformiert und den Menschen, die um ihn waren, über diese Ströme die Verbindung von Materie und Seele zukommen lassen – die aktive Liebe. Die Menschen, die diese Liebe damals empfangen haben, haben sie von Generation über Generation über ihre Bewusstseinsströme weitergegeben bis zum heutigen Tag.

Im Tode existiert unser Bewusstsein weiter. Die Strömungskanäle bleiben bestehen. Es fehlt nur die körperliche, die Verstandeskomponente. Erfahrungen werden dann ausschließlich über die seelische Wahrnehmung gemacht. Solange, bis sich wieder eine körperliche Verstandeskomponente im Bewusstsein ausbildet.

Niemals darf der Schmerz uns leiten. Unser Handeln erwächst aus dem angstlosen Wissen um unsere Geborgenheit im Sinn, um unsere Beseeltheit und um die ewige Einheit von allem. Wir handeln immer in Liebe zu allem und jedem. Es existiert keine innere Trennung. Niemals darf der Schmerz allein uns leiten.

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