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Verschiebung zu mehr seelischer Wahrnehmung

Unsere Existenz findet ausschließlich in der Wahrnehmung durch unser Bewusstseins statt. Diese Wahrnehmung bestimmt, wie wir die Welt sehen und wie sie sich uns zeigt. Diese Tatsache ist in unserer materialistischen Gesellschaft bekannt und es wird von Therapeuten und Ärzten versucht, mit der Verschiebung von Wahrnehmung Menschen von Angst, Wut, Verzweiflung etc. zu befreien.

Da in der materialistischen Gesellschaft ausschließlich eine Wahrnehmung über die fünf Sinne als existent gilt, werden auch ausschließlich diese in Bezug auf eine Wahrnehmungsverschiebung genutzt. Das, was der Betroffene hört oder sieht soll anders – „positiver“ – wahrgenommen werden. Positiver bedeutet angstärmer. Dieser angestrebte Prozess ist eher eine Wahrnehmungsveränderung, als eine wirkliche Wahrnehmungsverschiebung.

Durch dieses Handeln aus materieller Sicht bleibt der „erkrankte“ Mensch mit seinem Pendel zwangsläufig immer im Bereich der materiellen Wahrnehmung. Und das bedeutet, dass er den Bereich des Schmerzes so niemals wirklich verlassen kann. Er kommt mit Hilfe von wahrnehmungsdämpfenden Substanzen oder wahrnehmungsverändernden Affirmationen im besten Fall in einen Zustand, der relativ angstarm ist und in dem die Grundursache für alles Leiden, der Schmerz des Getrenntseins, größtmöglich unterdrückt ist. Dieser Zustand der Schmerzunterdrückung oder -übertünchung ist genauer betrachtet exakt der Zustand der materiellen Gesellschaft als Ganzer selbst und nicht nur der einzelner Personen. So versucht ein Kranker, den anderen mit seiner eigenen Krankheit zu heilen.

Wahrnehmungsverschiebung bedeutet nicht, die Interpretation der Sinneseindrücke mit Hilfe des Verstandes zu verändern. Echte Wahrnehmungverschiebung bedeutet, die materielle Wahrnehmung zu verringern und im Gegenzug die seelische Wahrnehmung zu erhöhen. Die Verringerung vollzieht sich also bei einer echte Wahrnehmungverschiebung zu Gunsten der seelischen Wahrnehmung, die im Zuge der Verschiebung zu nimmt. Nur so kann der Mensch wirklich angstfrei werden und sein Leben sinnerfüllt leben. Bleiben die Verschiebungen aber nur innerhalb des Bereiches der fünf Sinne und bestehen sie eigentlich nur aus einer chemischen Dämpfung der Wahrnehmung von Schmerz und Angst oder aus einer Uminterpretation der Wahrnehmung in Richtung „positiv“, dann ändert sich im Bewusstsein faktisch nichts. Es wird nur mit weniger Informationen versorgt und/oder mit Wortverdrehungen ausgetrickst. Auch wenn Angst nicht mehr Angst heißt, dann ist sie immer noch da. Auch wenn die Wahrnehmung der Angst gedämpft wird, so ist sie immer noch existent. Nimmt der Mensch nur materiell wahr, dann ist die Angst eine immerwährende Wahrheit.

Das Bewusstsein kann nur klar sein und die einseitige materielle Wahrnehmung des schmerzvollen Getrenntseins auflösen, wenn es von beiden Sinnen, den materiellen und den seelischen, seine Informationen über die Welt erhält.

Die Verschiebung von ausschließlich materieller Wahrnehmung zu einem Mehr an seelischer Wahrnehmung ist aber kein intellektueller Willensakt. Sie ist nur möglich, wenn das übergeordnete Bewusstsein zustimmt, den Verstand und dessen Ansichten zurückzunehmen (und eben nicht mehr über den Willensakt zu handeln), sondern stattdessen auf die dunkle und ruhende Stille der seelischen Information mehr Aufmerksamkeit zu richten und ein höheres Gewicht zu legen. Dies ist nur möglich, wenn das Bewusstsein sich aus den eingefahrenen „Willens-Geleisen“ befreit hat und bereit ist, diese Sprache der Seele mühsam – und ohne Lehrer! – wieder neu zu erlernen, besser: sich wieder an ihre Stimme zu erinnern. Denn sie kennt die Stimme. Von klein auf.

Das Dilemma ist nur, dass das Bewusstsein des modernen, westlichen nicht mehr in der Lage ist, eine übergeordnete „Entscheidung“ überhaupt noch treffen zu können. Zu sehr und zu lange wurde es vom Verstand dominiert. Diese Dominanz ist so andauernd und stark, dass unser Bewusstsein selbst oft meint, es sei der Verstand. In dieser Haltung stehen dem Bewusstsein nur noch die Verstandesmethoden zur Verfügung, wenn es versucht, die Welt zu verstehen und mit ihr umzugehen. Entscheidungen und Schlussfolgerungen sind deshalb nur noch rational und führen mit diesem einseitigen Blick nie zu einem Ganzen.

Das Bewusstsein muss wieder lernen, wie es sich beider Berater bedient. Es ist die dem Verstand und der Seele übergeordnete, integrierende Instanz und hat seinen ganz eigenen Weg, zu wirken. Nur, wenn es diesen eigenen Weg des Wirkens wieder entdeckt, dann kann es sich aus der Allmacht des Verstandes befreien. Es ist dann in der Lage, diesen an die richtige Stelle zu setzen und der Seele wieder den Platz zu geben, der ihr zusteht.

Ist dies geschehen, dann ist das Bewusstsein wieder befreit aus der Angst- und Einsamkeitsfalle und deren Eskalationsspiralen, in die es durch die Machtübernahme des Verstandes – ja, durch die hypnotische Selbstidentifizierung mit dem Verstand – geraten ist. Es erkennt dann wieder Sinn und Bestimmung. Folglich müssen wir unser Bewusstsein wiederentdecken. Wir müssen uns wieder entdecken.

Letztendlich ist es also das Bewusstsein, das die Welt wahrnimmt – das sich die Welt bewusst macht. So ist der Begriff der Bewusstmachung, der in der Psychologie unserer materialistischen Gesellschaft gebraucht wird, absolut richtig. Nur ist es die Beschränkung auf eine Bewusstmachung ausschließlich über die fünf Sinne und den Verstand, die diese materialistische Art der Bewusstmachung nutzlos macht. Soll das Pendel über die Angst hinaus ausschlagen, dann benötigen wir zusätzlich die Bewusstmachung über unseren Seelensinn. Nur dann kann unser Bewusstsein sich die Welt vollständig bewusst machen.

Niemals darf der Schmerz uns leiten. Unser Handeln erwächst aus dem angstlosen Wissen um unsere Geborgenheit im Sinn, um unsere Beseeltheit und um die ewige Einheit von allem. Wir handeln immer in Liebe zu allem und jedem. Es existiert keine innere Trennung. Niemals darf der Schmerz allein uns leiten.

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