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Schmerz und Hass sind die gleiche Substanz

Wenn wir einem Menschen lange genug unseren Schmerz darbringen, dann beschädigen wir ihn genauso, als wenn wir ihm unseren Hass darbringen würden. Denn Schmerz und Hass sind die gleiche Substanz. Wir können noch so voll der Liebe sein, wenn wir großen Schmerz in uns tragen, dann müssen wir darauf achten wem wir ihn in welchem Maße darbringen. Selbst, wenn es Menschen sind, die wir innig lieben: Durch die Darbringung unseres Schmerzes beschädigen wir sie und erzeugen eine Reaktion, die wie Hass erscheint, aber nur der Versuch ist, sich vor Verletzung – und auch Erkrankung – zu schützen. Es ist ebenfalls Darbringung des Schmerzes. Es erscheint als Gegenhass. Hass ist also eine komprimierte Darbringung von Schmerz.

Aber Hass strebt doch nach Vernichtung. Strebt der Liebende, der ein Übermaß an Schmerz darbringt auch nach Vernichtung? – Er strebt nicht danach, aber die Wirkung ist die gleiche. Dadurch, dass dem anderen durch den einen so viel Schmerz dargebracht wird, verliert er seine eigene materielle Form. Er wird geflutet von der Materialität eines anderen Egos. Er verliert sich selbst. Zusätzlich wird in seinem Bewusstsein die Wahrnehmung von Schmerz der Wahrnehmung von seelischer Einheit gegenüber massiv erhöht. Dadurch entsteht die Wahrnehmung von Angst vor Vernichtung und Einsamkeit. Dies führt zur Fokussierung auf den einen als Verursacher – das ist die Wut – und letztlich zum Gegenhass.

Spürt man, wie man vom Schmerz des anderen geflutet wird, dann darf man sich der aufkeimenden Wut nicht hingeben. Die einzige Möglichkeit ist, seine seelische Wahrnehmung in seinem eigenen System wieder zu erhöhen. Dies geht durch kurze – in Liebe vollzogene – räumliche Trennung, um dann, wenn der Schmerz des anderen abgeflossen ist, wieder in Liebe und dem Wissen um die Einheit ihm begegnen zu können. Wer aber nur die Trennung sucht und den Schmerz nicht abfließen lassen kann, sondern ihn dem eigenen hinzufügt, wird immer im Hass dem anderen gegenüber bleiben und sich Legenden überlegen, mit denen er sein Verhalten rechtfertigen kann. Denn die Aussage, ‚ich konnte seinen Schmerz nicht mehr ertragen und habe ihn deshalb alleine damit gelassen‘ ist moralisch vor sich und vor anderen nicht akzeptabel.

Niemals darf der Schmerz uns leiten. Unser Handeln erwächst aus dem angstlosen Wissen um unsere Geborgenheit im Sinn, um unsere Beseeltheit und um die ewige Einheit von allem. Wir handeln immer in Liebe zu allem und jedem. Es existiert keine innere Trennung. Niemals darf der Schmerz allein uns leiten.

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